Einer der erfolgreichsten Lyriker seiner Zeit dichtete 1861 folgende Schlussverse:
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.
Der Autor Emanuel Geibel träumte einst von einem geeinten deutschen Staatswesen unter König Wilhelm I. aus Preußen, von dem eine Friedenswirkung auf die europäische Staaten ausgehen sollte. Kaiser Wilhelm II. strebte 1907 in Münster in seiner Festrede nach dem Erhalt des Friedens und vollständiger Einigkeit. Bei der gegenseitigen Beurteilung zur versöhnlichen Einheit war ihm wichtig, die Person des Erlösers Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen. Eine weltweite kulturelle Vorbildrolle wurde mit seinen folgenden Worten begründet:
Dann wird unser deutsches Volk der Granitblock sein, auf dem unser Herrgott seine Kulturwerke an der Welt aufbauen und vollenden kann. Dann wird auch das Dichterwort sich erfüllen, das da sagt: An deutschem Wesen wird einmal noch die Welt genesen.
Im Nationalsozialismus propagierten vorherrschende Populisten eine durch die arische Rasse hervorgerufene Überlegenheit über anderen Nationen. Der Führungsanspruch wurde mit dem umgedeuteten Zitat „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ ideologisch in die Köpfe der Leser und Zuhörer indoktriniert. Ein vom Schicksal auserwählter Führer, der als alles überragende Persönlichkeit Krieg und Zerstörung, statt Heil und Errettung bringt, ist zum namentlichen AH-Fluch geworden.
Heutzutage gibt es selbstverständlich keine aufstrebenden Ideologen, die versuchen die Welt zu retten. Nun gab es bezüglich Rettung in den aktuellen News viel Aufregung um einen in der westlichen Ostsee mehrfach gestrandeten Buckelwal. Dessen Vermenschlichung sei laut Medienpsychologen Prof. Schwab durch den Namen Timmy weiter vorangetrieben worden. Das erstmals am Timmendorfer Strand gesichtete Tier diene als Projektionsfläche für Umweltbewusstsein, Schuldgefühle gegenüber der Natur und die Sehnsucht nach Heldengeschichten. Die New York Times sprach von Deutschlands Lieblingswal und einem Medienspektakel. Die Neuen Zürcher Zeitung stellte fest, dass der öffentlich stark in Erscheinung tretende Umweltminister Backhaus die Rettung des Wals als persönliche Aufgabe verstanden habe. Er begleite die jeweilige Lage des Tieres eng, äußere sich regelmäßig vor Ort und beschreibe dessen Schicksal als besonders schutzbedürftig in emotional geprägter, teils symbolisch aufgeladener Weise. Bemerkenswert ist auch ein Walflüsterer mit Millionenpublikum auf YouTube oder Instagram, der mit seinen Selfies oder seinem Rückzug für viel Verwirrung sorgte. Überhaupt gab es viel Streit über den richtigen Plan und das angemessene Verhalten unter den Helfern. Letztendlich gelang es Dank hoher Geldspenden einer privaten Initiative doch noch mit Gurten und einer Seilwinde, das Tier in einen mit Wasser gefüllten Lastkahn zu ziehen. Einem Happy End in der Nordsee (Skagerrak) stand eigentlich nichts im Wege. Seltsam mutete an, dass es keine Filmaufnahmen von der Freilassung gab und ein Peilsender keine Daten übermittelte. Die dänischen Behörden bestätigten aufgrund des gefundenen GPS-Senders heute jedoch den Verdacht, dass es bei dem vor der Insel Anholt tot angespülten Wal um Timmy handelt. Vor dessen Tod hatte die dänische Regierung angekündigt, sich nicht an bergenden Rettungsmaßnahmen beteiligen zu wollen. So fressen sich letztendlich zahlreiche Möwen am riesigen Kadaver satt.
In der Offenbarung rufen einmal Engel die Vögel, die inmitten des Himmels fliegen, zusammen, um Fleisch zu verzehren. In der Geschichte vom riesigen Fisch und Jona spielen die drei Tage Aufenthalt im Innern eine prophetische Rolle. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. (Matthäus 12, 40)
Sollte Gott über einen Wal als prophetisches Zeichen zu den Menschen reden? Nicht jeder Leser wird sich damit anfreunden, dass Jesus seinen Tod und die folgende Auferstehung mit einer sagenhaften Wundererzählung aus dem Alten Testament verbindet. Die Begebenheit von der erfolglosen Rettungsaktion des sterbenden Buckelwals spricht jedoch Bände über den Zustand der Deutschen:
Man will Dinge retten, die nicht zu retten sind.
Man gibt riesige Summen dafür aus, die man sich sparen könnte.
Man ist uneinig und zerstritten.
In der lyrischen Geschichte von Deutschlands Berufung geht es um die Einheit des Volkes, welche zur Stärke führt. Ein rechter, konservativ denkender Bundesbürger möchte die Errungenschaften konservieren, die unsere Nation stark gemacht haben. Dazu gehört der Schutz der Kinder und Jugend oder der Familie. Ebenso die Bewahrung der christlichen Werte und Traditionen. Ein Dichter wie Emanuel Geibel trug mit seinen Liedern dazu bei, unsere einzigartige Sprache zu bewahren. Andere Denker werden angespornt seinen Fußstapfen zu folgen.
Unser Zeitgeist geht jedoch in die andere Richtung, wenn sich das Land der Erfinder in einer Gendergaga neu erfindet.
Deutschland will die Welt retten, doch sind wir selbst noch zu retten?
Germany’s Calling
One of the most successful poets of his time penned the following closing lines in 1861:
Power and freedom, justice and custom,
A clear mind and a sharp edge
Shall then, from a strong centre,
Reign in every selfish, wild impulse,
And may the world one day yet
Be healed by the German spirit.
The author Emanuel Geibel once dreamed of a united German state under King William I of Prussia, from which a spirit of peace would emanate to the European states. In 1907, in Münster, Emperor William II strove in his ceremonial address for the preservation of peace and complete unity. In his assessment of conciliatory unity, it was important to him to place the figure of the Saviour, Jesus Christ, at the centre. A role as a global cultural exemplar was established with his following words:
Then our German people will be the granite block upon which our Lord God can build and complete his cultural works for the world. Then the poet’s words will also be fulfilled, which say: ‘Through the German spirit, the world shall one day be healed.’
Under National Socialism, the dominant populists propagated the idea of superiority over other nations derived from the Aryan race. The claim to leadership was ideologically indoctrinated into the minds of readers and listeners through the reinterpreted quote: ‘The world shall be healed by the German spirit’. A leader chosen by fate, who as an all-powerful figure brings war and destruction rather than salvation and redemption, has become a namely AH-curse.
Nowadays, of course, there are no aspiring ideologues attempting to save the world. However, there has been much excitement in the news recently regarding the rescue of a humpback whale that had become stranded several times in the western Baltic Sea. According to media psychologist Prof. Schwab, its humanisation was further driven by the name Timmy. The animal, first sighted at Timmendorfer Strand, serves as a projection screen for environmental awareness, feelings of guilt towards nature and a longing for heroic tales. The New York Times spoke of Germany’s favourite whale and a media spectacle. The Neue Zürcher Zeitung noted that Environment Minister Backhaus, who has a high public profile, had taken the rescue of the whale as a personal mission. He closely monitored the animal’s situation, made regular on-site statements and described its plight as particularly vulnerable in an emotional, at times symbolically charged manner. Another notable figure is a ‘whale whisperer’ with millions of followers on YouTube and Instagram, who caused quite a stir with his selfies and his decision to step back from the operation. There was a great deal of disagreement amongst the rescuers about the best course of action and how to behave. Ultimately, thanks to substantial donations to a private initiative, they managed to pull the animal into a water-filled barge using straps and a winch. Nothing really stood in the way of a happy ending in the North Sea (Skagerrak). It seemed strange that there was no video footage of the release and that a tracking device was not transmitting any data. However, based on the GPS transmitter found, the Danish authorities today confirmed the suspicion that the whale washed up dead off the island of Anholt is Timmy. Before its death, the Danish government had announced that it did not wish to participate in any salvage or rescue operations. So, in the end, numerous seagulls are feasting on the huge carcass.
In the Book of Revelation, angels once summon the birds flying in the midst of the sky to consume flesh. In the story of the giant fish and Jonah, the three days spent inside play a prophetic role. For just as Jonah was three days and three nights in the belly of the fish, so the Son of Man will be three days and three nights in the heart of the earth. (Matthew 12:40)
Could God speak to humanity through a whale as a prophetic sign? Not every reader will be comfortable with the idea that Jesus links his death and subsequent resurrection to a legendary miracle story from the Old Testament. However, the story of the failed rescue attempt of the dying humpback whale speaks volumes about the state of the German people:
People want to save things that cannot be saved.
They spend huge sums of money on it that could be saved.
They are divided and at odds with one another.
The lyrical story of Germany’s calling is about the unity of the people, which leads to strength. A right-wing, conservative-minded German citizen wishes to preserve the achievements that have made our nation strong. This includes the protection of children, young people and the family. Likewise, the preservation of Christian values and traditions. A poet such as Emanuel Geibel contributed to preserving our unique language through his songs. Other thinkers are inspired to follow in his footsteps. However, the spirit of the times is moving in the opposite direction, as the land of inventors reinvents itself in a gender frenzy.
Germany wants to save the world, but can we ourselves still be saved?